Nachzuchtschau in Bourg en Bresse, Frankreich
Seit über 15 Jahren werden beim Fleckvieh in Salzburg Montbeliarde-Stiere eingesetzt. Diese stellen eine Untergruppe des Fleckviehs dar, das im Osten Frankreichs beheimatet ist. Da in dieser Region die Käseerzeugung einen hohen Stellenwert und eine lange Tradition hat, lag der züchterische Schwerpunkt immer in der Verbesserung der Milchleistung und des Eiweißgehaltes. Der Charakter einer Zweinutzungsrasse sollte dabei aber nicht verloren gehen. Heute präsentieren sich die Montbeliarde als milchbetonte Kühe mit guten Euteranlagen und einer Bemuskelung, die im großen Durchschnitt zwischen dem klassischen Fleckvieh und den Holsteins liegt.
Eine gute Möglichkeit sich ein Bild über den aktuellen Stand der Zuchtarbeit zu machen, bietet die umfassende Nachzuchtschau, die einmal jährlich abgehalten wird. In diesem Jahr wurden am 04. Januar in Bourg en Bresse 23 Nachzuchten, vorwiegend von jüngeren Stieren aber auch von bereits bewährten Vererbern, vorgestellt. Insgesamt konnte festgestellt werden, dass neben der sicheren Leistungsvererbung in den letzten Jahren weitere Verbesserungen in den funktionalen Merkmalen erreicht wurden. Das betrifft vor allem die Fundamente, aber auch die Euter, die durch ihre hohe Qualität überzeugten.
Für das Salzburger Zuchtgebiet waren die folgenden Nachzuchten von besonderem Interesse:
SIR FR2534812037
Vater: JOY AU DDOR, Muttersvater: CANTADOU
SIR, der bereits in Salzburg eingesetzt wird, kann aufgrund seiner Abstammung zu den so genannten Outcross-Stieren gezählt werden. Mit seinem Zuchtwert von über 500 kg in der Milchmenge und einer sicheren Vererbung bei den Inhaltsstoffen kann er breit eingesetzt werden. Die lebhaften Euter der vorgestellten Töchter überzeugten durch eine sehr gute Aufhängung und eine korrekte Strichplatzierung. Der weitere Einsatz dieses Stieres kann ohne Abstriche zu machen empfohlen werden.
Von der international besetzten Jury wurde diese Nachzucht an die zweite Stelle gereiht.
ST ANDRE FR3802379451
Vater: JAZANA, Muttersvater: GARDIAN
Eine exterieurmäßig überragende Nachzuchtgruppe stellte ST. ANDRE. Die Töchter, ein Teil davon bereits in der zweiten Laktation, bestachen nicht nur durch eine enorme Körpertiefe sowie eine straffe Oberlinie sondern auch durch beste Fundamente mit klaren Sprunggelenken und festen Fesseln. Das Glanzstück stellten aber die Euter dar. Ohne Ausnahme hoch und fest aufgehängt, ausgewogene Viertelverteilung, korrekte Strichverteilung und Strichausbildung. Ein Wermutstropfen ist der relativ niedrige Zuchtwert für die Milchmenge von + 340 kg, weit überdurchschnittlich hingegen die Inhaltsstoffe bei einem idealen Fett-Eiweiß-Verhältnis - +0,04% Fett und +0,16% Eiweiß. Dass diese Töchtergruppe einstimmig, inklusive Votum der zahlreichen Schaubesucher, zur Siegernachzucht gekürt wurde, unterstreicht nur noch deren hohe Qualität.
TIPOLI FR0103027531
Vater: LECUYER, Muttersvater: GARDIAN
Die leistungsstärkste Gruppe bildeten die sehr milchbetonten Töchter des Stieres TIPOLI, was auch in seinem Zuchtwert von + 1.290 kg Milch zum Ausdruck kommt. Die in einem mittleren Rahmen stehenden Kühe wirkten aber eher etwas derb. Hinsichtlich Eutervererbung ist TIPOLI als gut durchschnittlich einzustufen. Bei einer Anpaarung sollte daher auf eine gute Euterqualität und genügend Adel bei den zu besamenden Kühen geachtet werden.
ORIEL FR2521825344
Vater: GARDIAN, Muttersvater: TARTARS
Als exzellenter Eutervererber präsentierte sich über seine Töchter der Stier ORIEL. Ähnlich wie bei den ST. ANDRE - Töchter, hoch aufgehängte und mit einem festen Zentralband ausgestattete Euter mit viel Voreuter und optimaler Stichverteilung. Im Rahmen etwas knapp aber dafür mit viel Rumpftiefe und ordentlichen Fundamenten ausgestattet, stellen die ORIEL-Töchter sehr gute Wirtschaftstypen dar.
Die absolute Spitze in der Montbeliardezucht ist nach wie vor der aus einer Bois Levin Tochter gezogene Isangrinsohn REDON. Ein sehr kompletter Vererber, von dem bei den Betriebsbesichtigungen am Vortag der Schau immer wieder hervorragende Töchter vorgestellt wurden. Das gleiche gilt auch für MICMAC, der in den letzten Jahren die Montbeliardezucht weit über Frankreich hinaus äußerst positiv geprägt hat.
Montbeliarde Zuchtprogramm
Beeindruckend ist immer wieder zu sehen mit welcher Konsequenz UMOTEST, ein Zusammenschluss von 13 Besamungsstationen, für die Rasse Montbeliarde das Zuchtprogramm umsetzt. Aus einer Gesamtpopulation von 383.000 Herdbuchkühen, mit einer Durchschnittsleistung von 7.874 kg Milch, 3,89% Fett und 3,44% Eiweiß, werden aus gezielter Paarung jährlich 500 Stierkälber auf die Eigenleistungsprüfstation gestellt. Davon werden nach Abschluss der Prüfung auf Tageszunahme und Futterverwertung 130 für den Prüfeinsatz selektiert. Dabei fließt seit 2008 auch der genomische Zuchtwert, der für eine Reihe von Merkmale berechnet wird, mit ein. Die endgültige Entscheidung für den Zweiteinsatz erfolgt auf Basis eines Gesamtzuchtwertes in dem den funktionalen Merkmalen seit 2001 ein sehr hohes Gewicht beigemessen wird.
Die erfolgreiche Zuchtarbeit findet ihren Niederschlag auch in der Entwicklung der Gesamtpopulation. Die ursprünglich regionale Rasse im Osten Frankreichs mit 207.000 Herdbuchkühen im Jahre 1981 hat sich zu einer nationalen Rasse mit 383.000 registrierten Kühen im Jahr 2006 entwickelt (+ 84%). Darüber hinaus hat sie, auch Dank eines sehr geschickten gemeinsamen und straffen Marketings, über Frankreich hinaus eine beachtliche Verbreitung gefunden. Für eine Reihe von Betrieben stellen die Montbeliarde auch in Salzburg, vor allem wegen ihrer Positionierung zwischen einer klassischen Zweinutzungsrasse und den sehr milchbetonten Holsteins, eine sehr interessante Alternative dar.
Josef A. Lederer
Teilnehmer:
Josef A. Lederer, BA Klessheim
Johann Greischberger, BA Klessheim
Josef Weissacher
Johann Kriechhammer, Plackner
Markus Dick, Fürthermoar
Balthasar Grünwald, Maierhäusl
Verfasst am 01.03.2009